Die Wasserkrieger

Die Wasserkieger

Das Hörspiel „Die Wasserkrieger“ erzählt als Fake-Reportage Geschichten über Menschen, die, freiwillig oder unfreiwillig, in den harten Kampf ums blaue Gold verwickelt werden.

Als 10-teilige Hörspielserie:

WDR 5

Mo, 13. November – Fr 17.November, jeweils ab 11:30 Uhr / Mo, 20.November – Fr 24. November, jeweils ab 11:30 Uhr

Als 2-Teiler:

WDR 3

Teil 1: Mittwoch 15. November  19:04 Uhr / Teil 2: Donnerstag, 16. November  19:04 Uhr

„Wasser ist ein soziales Gut, aber wir müssen den Blick auf das ökonomische Potenzial dieses Guts richten.“ Nach diesem Motto richtet der Wassermanager Ken Feldhoff als CEO von Dell’Aqua die Aktivitäten seines Konzerns überall auf der Welt aus. Die Journalistin Mia Schelling begleitet ihn ein Jahr lang auf seinen Reisen und erfährt so die erstaunlichsten Geschichten über Menschen und Wasser. In Athen, zum Beispiel, begegnet sie einer Familie, deren kleine Tochter vom Jugendamt in Obhut genommen wird, weil es zuhause kein fließend mehr Wasser gibt. Die Troika, beraten von Keld Feldhoff, hat Griechenland verpflichtet, die Wasserversorgung zu privatisieren, die Preise sind um 300 Prozent gestiegen. Im Rheinland kämpft Holger Schmidt um seine Schweinefarm, die seit einem Düngeskandal Angriffen von Öko-Aktivisten ausgesetzt ist. In Detroit versucht sich der obdachlose Alan als Sanitärtechniker in einem Squatter-Camp, um den von der UNO als Menschenrecht deklarierten Zugang zu sicherem Trinkwasser und sanitären Anlagen, sicherzustellen. In der Türkei kämpft ein Kurde verzweifelt gegen die Überflutung ganzer Dörfer zu Gunsten eines Staudammprojekts am Tigirs. Und immer wieder landet Mia Schelling in der westfälischen Kleinstadt Libba, wo Ken Feldhoff für Dell’Aqua Land aufgekauft hat, um so an die Wasserreservoire heranzukommen, die er für sein Geschäft mit Flaschenwasser benötigt. Doch er hat nicht mit dem Widerstand der Bürger Libbas gerechnet. Im Streit ums Wasser gibt es fortan für keine der Parteien ein Tabu. Mia Schelling, die darüber berichtet, gerät mehr und mehr zwischen die Fronten.

Technische Realisation  Benno Müller vom Hofe und Steffen Jahn / Regieassistenz  Sophie Garke / Regie  Tim Staffel / Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks in Kooperation mit Deutschlandradio 2017 / Dramaturgie: Martina Müller-Wallraf

Mia: Henrike von Kuick
Ken: Michael Rotschopf
Chiara: Anna Schudt
Tobias: Ronald Kukulies
Lilia, Syrerin: Meriam Abbas
Humphrey: Robert Alexander Baer
Linda: Johanna Gastdorf
Dr. Terrodde: Caroline Schreiber
Pfleger: Stefan Cordes
Habib, Arabische Emirate: David A. Hamade
Jordi, Spanier: Ciro García-Beltrán Miró
Dani, Spanier: Alejandro Ramón Alonso
Craig: Michael S. Ruscheinsky
Holger: Axel Häfner
Andreas: Benjamin Höppner
Alan: John Julian
Terrence: Jeff Zach
Natalia: Sotiria Loucopoulos
Natalia/Eleni, Voice Over: Sigrid Burkholder
Georgios: Vassily Kazakos
Georgios/Dimitris/Terrence, Voice Over: Gregor Höppner
Eleni: Johanna Paliatsou
Dimitris: Alexander Georg
Tuncay, Türke: Ferhat Keskin
Masod, Kurde: Moussa Sullaiman
Thomas: Thomas Krutmann
Charles, Brite: Steve Hudson
Fadi: Dimitrios Bouchos
Birgit: Lisa Sophie Kusz
Luke: Stefko Hanushevsky
Patty: Lisa Bihl
Yael: Nathalie Taly Journo
Pit: Mohamed Achour
Marie: Nagmeh Alaei
David: Oleg Zhukov
Diplomat aus Ägypten: Omar El-Saeidi
Diplomat aus Israel: Roy Riesenfeld
Diplomat aus China: Xueding Wang
Diplomatin aus Finnland: Kati Rausch
Diplomatin aus Indien: Reena Kumar
Diplomat aus Russland: Mark Zak
Diplomat aus USA: Tom Zahner
Diplomat aus Äthiopien: Tesfay Yemane
Tamara: Maria Ammann
Alison: Anna-Marlene Wirtz
Carlos: Antonio Monfort
Mompati, Botswana: Alois Moyo

ZDF boykottiert Pressefreiheit – die Kanzlerin und ihr Fernsehduell

Angela Merkel diktiert dem ZDF im Wahlkampf die Bedingungen für ein Fernsehduell mit ihrem Kontrahenten Martin Schulz, und die freie Presse Deutschlands empört sich über diesen anti-demokratischen Zug, die Erpressung, denn Merkel ließ durch ihre Sprachrohre deutlich machen, dass es keine Sendung geben würde, wenn ihren Bedingungen nicht entsprochen wird. Warum also entspricht das ZDF dem Diktat der Kanzlerin? Das ZDF beweist, die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind nicht viel mehr als Instrumente der Politik. Pressefreiheit gilt für sie nicht. Es wird sich über die präsidiale Zensur der Türkei ausgelassen und sich dann dem Diktat des Kanzleramts gefügt. Die einzige richtige Entscheidung im Sinne der Pressefreiheit wäre gewesen, auf eine Sendung, deren Format und Inhalt man nicht selbst bestimmen kann, zu verzichten. Man hätte die CDU und die Kanzlerin in ihre Schranken weisen müssen. Es wäre dem potentiellen Zuschauer und Wähler aufgefallen, wenn es kein Fernsehduell der Kandidaten gegeben hätte. Er hätte sich für das Warum interessiert. Stattdessen vernimmt er nun aus allen Kanälen das Wehklagen einer korrupten, abhängigen Presse. Es erschreckt, dass alle das ZDF und das ungebührliche Gebaren der Kanzlerin beklagen, anstatt das ZDF zurechtzuweisen. Wer sich in diesem Fall auf die Seite des öffentlich-rechtlichen Senders stellt, beweist, dass Pressefreiheit für ihn nicht zählt.  

DFB gewinnt Krieg gegen Terror

Im Kampf gegen Gewalt und Pyrotechnik in Fußball-Stadien setzt der DFB ein Konzept erfolgreich um: Blocksperre. DFB-Vize-Präsident Dr. Rainald Koch begründet: „In einem Block, der leer ist, kann auch nichts passieren.“ Nun wird in Europa darüber nachgedacht, die Innenstädte der Gemeinden, die mehr als 50.000 Einwohner zählen, zu sperren. Auch der deutsche Städtetag hat das Motto „Leert die Innenstädte“ ausgerufen. In den Fußballstadien allerdings solidarisieren sich mittlerweile diejenigen, die in die Stadion eingelassen werden, mit den Ausgesperrten. Viele Unbescholtene radikalisieren sich bereits. Wohin mit den Bewohnern der Innenstädte, die, im Gegensatz zu den Stadien, total geräumt werden sollen, ist unklar. Eine Umverteilung in kleinere Gemeinden scheint möglich. Widerstand soll mit Strafverfolgung geahndet werden, so wie es auch der DFB propagiert. Das Ende von Metropolen ist abzusehen.

Drohne I / Sommer

Abflug in die Drohnenwelt. Über den Köpfen Mückenschwärme rasieren. Blut im Kreislauf. Blut im Getriebe. ABSTURZ. Hoch in den sechsten Stock. Persilschwärme, Wunderbäume, Kettenrauch. Rotorenfrisur. Im Bart der Tod der Nächstbesten. Die Bartträger schwärmen aus zum Stutzen, Plätten, Glätten. Drohnengott, sprich mit mir. Das Sirren wird zum Surren der Gedärme, die verdrehen sich gleich geflochtenen Zöpfen. Mit der Drohne runter in den Vierten. Ne, wir geben nichts. Ich wollte nur sagen, Ihr Keller. Wir haben keinen Keller. Komisch, ich auch nicht. Na jedenfalls die Keller, die stehen unter Wasser. Der Liftschacht auch. Das sieht man nicht. Drücken Sie mal die Vier. Ne, lieber die Sechs, damit Sie mal hier wieder abrauschen aus dem Vierten. Na jedenfalls, im Lift hört man das Rauschen, als würde da was abfließen, über der Kabine ausgegossen und dann die Wände runter, während du da drin stehst in dem Lift und genau weißt, ich bin hier drin, und das ist da draußen, aber das da draußen, dieses Rauschen, das gehört da nicht hin und trotzdem fliegst du, fährst du, bist natürlich viel langsamer als deine Drohne, und könnte ja auch nen Kurzschluss geben mit all dem Wasser um den Lift rum, im Liftschacht, da ist ja auch irgendwo Elektrik, und dann stürzt du, aus dem Sechsten runter über den Vierten bis ganz nach, na wo das Unten dann noch ist, falls es das gibt, ein Unten. So wie die Drohne, die du fliegst, die wartet ja schon unten, mit Wasser oder ohne, vor dem El Toredo. Vor dem El Toredo sitzt auf einem der Korbmöbel aus Plastik die Frau aus dem Dritten, Serbien, Kroatien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, ebenda irgendwo, und raucht und nickt. Ihre Wohnung im Dritten ist teurer als meine im Sechsten, behauptet sie, raucht. Ich hab sie nicht erkannt beim zweiten Mal sehen. Beim ersten Mal wäre ja nicht gegangen, an den Briefkästen, da haben wir uns kennengelernt. Ich hab mich vorgestellt, und sie fragt, was kostet deine Wohnung. Und dann beim zweiten Mal sehe ich sie da sitzen und seh nur irgendwen da sitzen. Dass ich sie kenn, merk ich erst später, als sie mit jemandem da sitzt, den ich kenne, aus dem Zweiten, mit Hund, die sitzt da jetzt mit der aus dem Dritten, und die Türkin aus dem Café nebenan grüßt auch mit. Die wohnt auch im Zweiten, und die erkenn ich auch, was die aus dem Dritten, aus Mazedonien oder sonst wo natürlich merkt, weshalb sie die Lippen zusammenkneift, während sie die Asche abstreift, und jetzt grüßt sie gar nicht mehr, nur wenn die aus dem Zweiten dabei sind, oder aus dem Dritten, die Cafétürkin, aber nicht, wenn sie nur mit den Männern aus dem El Toredo da sitzt, dann sieht sie mich nicht mehr. Keine Ahnung, wie ich das wieder gut machen soll. Ich lande auf ihren gefärbten Haaren, Drohne aus, und sie schlägt trotzdem nach den Fliegen. Die haben auch im El Toredo Hochsaison, Wespenzeit ist auch schon, aber oben im Sechsten vor allem Fliegen und Bienen. Die Bienen sind von der Pilotin zwei Häuser weiter, die gärtnert wild auf dem Dach und dazwischen die Bienenstöcke, die Landezonen, das Sirren und Surren und Samstags raus auf die Straße, den Honig verkaufen. Der verklebt die Rotorblätter, das Surren wird zum Stottern und das Sirren markiert nen ungesunden Tempowechsel. So schnell verlässt niemand das Gebäude. Nur nachts, nach 3, da werden die Schuldenopfer vorm El Toredo auf die Straße getrieben und erst mal abgerieben. Ein paar Jungs halten die Hände vor die Drohnenaugen, weil Bilder nicht erwünscht sind. Das gibt ein schönes Geschnetzel, all die Fäuste, die zwischen Rotorblättern in Gesichter fliegen. All die Drohnen, die doch noch stürzen, weil das einfach zu viel Blut ist für die Motoren, zu dieser Jahreszeit, zwischen all den Fliegen, Bienen, und die Frau aus Mazedonien, Bosnien oder sonst woher raucht ihre Finger mit, die Augenringe fangen an zu kreisen, und dann Gewitter, der Keller läuft voll, der Liftschacht, vom Sechsten runter in den Vierten, Hallo, aber da schlafe alle schon, niemand macht auf, kein Mensch hört den Alarm.

Überlebensstrategie

Ich besuche Phil in der Justizvollzugsanstalt, und er behauptet, es ginge ihm jetzt besser. Früher war Phil mein Nachbar. Er hatte bei uns im Haus so eine Art Blumenladen, aber vor allem schnitzte er Schildkröten und Waldgeister aus abgesägten Baumstämmen heraus. Phil musste Insolvenz anmelden. Die Wohnung über dem Laden, in dem jetzt ein russischer Bäcker weiche Brötchen und labbrige Teilchen verkauft, durfte Phil behalten. Er hat dann bei Bahlsen Kekse verpackt und hätte eigentlich doch umziehen müssen, damit sich das finanziell ausgeht. Aber Phil hat lieber weniger gegessen. Als er noch seine Blumen, Schildkröten und Waldgeister hatte, hatte Phil außerdem auch eine Freundin. Zumindest war da manchmal eine Rothaarige, die ihn vor dem Blumenladen geküsst hat. Aber Phil ist dann immer dünner geworden, und je dünner er wurde, desto mehr hat er sich geschämt. Er ist außer zu Bahlsen kaum noch aus dem Haus gegangen, und wenn doch, dann hatte er so einen komischen Gang, immer nah an den Häuserwänden entlang und den Blick auf den Boden gerichtet. Phils Stimme wurde immer leiser. Die Arbeit in der Keksfabrik ist gut, meinte er, aber das hat er sich selbst nicht geglaubt. Seine Umgebung war ihm halt wichtig, unsere Nachbarschaft, aus der wollte er nicht weg, obwohl da eigentlich keiner war, der wegen ihm geblieben wäre. Die nächste Mieterhöhung konnte er dann nicht mehr mit, deshalb wollten sie ihm kündigen. Bei den Keksen konnte er nicht mehr verdienen, da gab es keine Aufstiegschancen für Phil. Keiner hat was davon geahnt, was Phil vorhatte. Aber auf einmal ging er wieder aufrechter, und sein Blick war mehr so von der Sorte: Komm doch her, wenn du was von mir willst! Da hätte man vielleicht was ahnen können, dass da so was passiert, was dann passiert ist.